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Nach Ausbildung:

Baugewerbe fordert Bleiberecht für Flüchtlinge

DÜSSELDORF, 24.09.2015 – Wenn Flüchtlinge eine handwerkliche Ausbildung erfolgreich absolvieren, sollten sie ein längerfristiges Bleiberecht in Deutschland bekommen, fordern die Baugewerblichen Verbände (BGV) in Nordrhein-Westfalen. Das Bleiberecht könne gegen den Fachkräftemangel insbesondere in den Bau- und Ausbauberufen helfen.

 

Lutz Pollmann

Fordert ein Bleiberecht für Flüchtlinge, die hierzulande
eine Ausbildung absolvieren: Lutz Pollmann, Haupt-
geschäftsführer der Baugewerblichen Verbände Nord-
rhein-Westfalen

„Viele unserer Betriebe suchen ebenso intensiv wie erfolglos nach Lehrlingen und Fachkräften“, sagt BGV-Hauptgeschäftsführer Lutz Pollmann. „Sie sind daher gerne bereit, sich Asylanten und anderen Flüchtlingen zu widmen und sie mit den Berufsanforderungen vertraut zu machen.“ Die Unternehmen verbänden damit ihre soziale Verantwortung mit der eigenen Zukunftssicherung durch qualifizierte und engagierte Mitarbeiter. Firmen wie Flüchtlinge bräuchten dann jedoch die sichere Perspektive eines Bleiberechts. „Wenn den Zuwanderern direkt nach Abschluss der Lehre oder auch nur in den folgenden zwei Jahren die Abschiebung droht, werden wohl deutlich weniger Betriebe diese sicher nicht ganz einfache Aufgabe übernehmen. Deswegen halten wir eine Änderung der Bestimmungen für dringend nötig“, so Pollmann. Wichtig für den Erfolg der Ausbildung seien zudem ausreichende Deutschkenntnisse und vielfach eine psychosoziale Betreuung zur Bewältigung der Fluchterlebnisse. Dabei müssten die Behörden ebenfalls Unterstützung leisten.

Neustart für den sozialen Wohnungsbau gefordert
Zugleich spricht sich Pollmann für kräftige Impulse für den Wohnungsbau aus - unter anderem durch bessere Abschreibungsmöglichkeiten und ein Absenken von Standards und Anforderungen. Der immense Zustrom von Menschen nach Deutschland habe die Prognosen über den Bedarf an Wohnungen zu Makulatur werden lassen. „Für uns ist klar, dass wir in der nächsten Zeit 400.000 zusätzliche Wohnungen pro Jahr benötigen. Wir schieben ja noch ein Defizit von über einer Viertelmillion nicht gebauter Wohnungen aus den zurückliegenden Jahren vor uns her“, beschreibt Pollmann die Lage in diesem Bereich. Es gehe primär um Wohnraum im unteren und mittleren Preissegment. Um hier die Knappheiten abzubauen, müssten die öffentliche Hand und Wohnungsunternehmen den sozialen Wohnungsbau „neustarten“. Mehr Haushaltsmittel seien nötig. Für private Investoren empfehle sich eine Sonderabschreibung sowie eine erhöhte steuerliche Abschreibungsmöglichkeit.

Vorschriften „entrümpeln“
Parallel dazu müssen nach Überzeugung der BGV die Vorschriften rund ums Bauen zumindest vorübergehend „entrümpelt“ werden. Die hohen Standards hätten für sich genommen durchaus ihre Berechtigung. In der aktuellen Notlage würden sie indes Neubautätigkeiten behindern, nicht zuletzt weil sie das Bauen erheblich verteuern. Ob Stellplätze, Natur- und Schallschutz oder Energieeinsparung: „Da und anderswo müssen wir zeitweise Abstriche machen. Vieles kann man ja später nachholen, wenn die Gebäude in eine reguläre Nutzung übergehen“, meint Pollmann. Die Politik sei gefordert, schnellstmöglich aktiv zu werden. Das Baugewerbe sei daher froh, dass es in dieser Frage offensichtlich einen parteiübergreifenden Konsens in den Parlamenten gibt. Das betreffe auch die Forderung nach finanziellen und steuerlichen Anreizen für den Wohnungsbau. bi