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Im Trockenstress

HEIDECK, 14.09.2015 – Der diesjährige Juli und die erste August-Hälfte waren in den meisten Teilen Deutschlands von einer extremen Hitzewelle mit lang anhaltender Trockenheit geprägt. Die grüne Branche muss handeln.

Von Erwin Bauer, Heideck

Dieser glückliche Baum wird bewässert in der Dürre


Nur selten werden Bäume,
wie hier auf dem
Betriebsgelände der Firma
Opitz in Heideck, automatisch
bewässert. | Foto: Erwin Bauer

Der Juli 2015 war nach Berechnungen des Amerikanischen Wetterdienstes der wärmste Juli seit Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen vor 136 Jahren. Die Hitze war in Deutschland so groß, dass sich vielerorts Schienen verzogen hatten und die Züge reihenweise ausfielen. Aufgeplatzte Betondecken wurden  zum Stau-Problem für Autofahrer. Der Asphalt war bei Höchsttemperaturen bis zu 41 Grad Celsius stellenweise so weich, dass schwere Fahrzeuge bleibende Spuren hinterließen. Besonders ältere Menschen litten unter den anhaltend hohen Temperaturen. Vor allem am Wasserstand der Flüsse konnte man die Auswirkungen der extremen Trockenheit für Flora und Fauna ablesen. Die Elbe wies einen so niedrigen Wasserstand wie seit 51 Jahren nicht mehr auf. Die Böden waren vielerorts so tief ausgetrocknet, wie seit dem Jahrhundertsommer 2003 nicht mehr. "In Südhessen, Teilen von Nordbayern, Sachsen bis ins südliche Brandenburg ist der Boden so trocken wie seit 50 Jahren nicht", twitterte der Deutsche Wetterdienst. Völlig ausgetrocknet seien die obersten 30 bis 60 cm des Erdreichs in den betroffenen Regionen, was vor allem Pflanzen schade, die kürzere Wurzeln haben. Dürren in Deutschland könnten eine frühe Folge des Klimawandels sein, warnte der Klimaforscher Mojib Latif von der Universität Kiel: „Wenn wir so weiter machen wie bisher, werden wir noch häufiger mit Dürren und extrem hohen Temperaturen zu tun haben, aber auch mit Starkniederschlägen und Überschwemmungen“. Als Einzelphänomen sei diese Trockenheit nicht außergewöhnlich. In der Summe und über einen langen Zeitraum gesehen aber zählten Dürren zu den ersten Auswirkungen des Klimawandels.

Qualen für Bäume und Sträucher


Die tropischen Temperaturen und die lange Trockenheit schaden insbesondere den Bäumen und Sträuchern. Der Sprecher der Berliner Umweltverwaltung Dirk Ehlert äußerte sich am 12. August gegenüber der Welt Kompakt folgendermaßen: "Es geht jetzt ans Eingemachte. Die obersten 60 cm des Bodens sind ausgetrocknet. Der warme Wind trocknet den Boden zusätzlich aus und schadet enorm – vor allem jungen Straßenbäumen, deren Wurzeln noch nicht in die Tiefe reichen. Es hilft nur wässern, wässern, wässern. Baumschulen etwa, die sich in den ersten Jahren um Jungbäume kümmerten, kommen kaum mehr hinterher. Wir bitten Anwohner, die Bäume abends mit mehreren Eimern Wasser zu versorgen", so Ehlert in seinem Aufruf. Auch die Mitarbeiter vom Grünflächenamt der Stadt Frankfurt am Main kamen mit dem Gießen kaum nach. Bernd Roser vom Grünflächenamt, zuständig für rund 4.500 Jungbäume, klagte in der Frankfurter Rundschau: "Die frisch gepflanzten Bäume müssen bei den hohen Temperaturen und dem ausbleibenden Regen jede Woche mindestens ein Mal bewässert werden. Trotz Überstunden schafften es unsere Mitarbeiter nicht, diesen Takt einzuhalten. Wir können jeden Jungbaum nur etwa alle zwei Wochen gießen." Welche Folgen das für den Baumbestand in der Hessenmetropole haben werde, sei noch nicht abzusehen. Er rechnet aber damit, in diesem Jahr drei bis vier Mal so viel für die Bewässerung der Grünanlagen auszugeben als in einem durchschnittlichen Jahr. "In einem durchschnittlichen Sommer fahren unsere Mitarbeiter jeden Baum etwa fünf Mal zum Gießen an. In diesem Jahr waren sie bereits zehn Mal bei jedem der 4.500 Jungbäume“, so Bernd Roser.

Manche Pflanzen helfen sich selbst


Der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V. (BGL) gibt Hinweise zur Trockenheitsstrategie bestimmter Stauden: Besonders wichtig ist es für Pflanzen an heißen und trockenen Standorten, so wenig Feuchtigkeit wie möglich zu verlieren. Eine 'dicke Haut' schränkt die Abgabe von Wasserdampf über die Blattoberfläche deutlich ein. Zudem haben einige Pflanzen ihre Blätter mit einer wachsartigen, glänzenden Schutzschicht versehen. Das ist bei vielen Lorbeergewächsen (Lauraceae) aber auch bei Kletterpflanzen wie dem Schmerwurz (Dioscorea communis) oder Hängenden Geranien (Geranium pelatum) der Fall. Die Schicht hält nicht nur Feuchtigkeit zurück, sie reflektiert auch die Sonnenstrahlen, was zusätzlich vor Überhitzung schützt. Einige Pflanzen wie der Lavendel hüllen sich in eine Wolke ätherischer Öle. Diese legt sich wie ein unsichtbarer Schutzschild um die Blätter und verhindert ebenfalls, dass zu viel Wasserdampf abgegeben wird. Eine wirkungsvolle Methode, den Wasserhaushalt zu optimieren, ist auch die Verkleinerung der Blätter – zum Teil sind sie nadelartig geformt oder nur noch winzige Schuppen, die eng am Stängel anliegen. Bekannte Beispiele sind Thymian (Thymus officinalis) und die Vielblütige Heide (Erica multiflora). Wind führt zu einem schnellen Gasaustausch an der Oberfläche der Pflanzen und fördert damit die Verdunstung. Daher bilden manche Gewächse spezielle Merkmale aus, um ihr Laub entsprechend zu schützen. Beim polster- oder rosettenförmigen Wuchs liegen die Blätter am Boden an, wie etwa bei Echeverien (Echeveria) oder dem Blaukissen (Aubrieta). Auch durch feine, oft filzige Behaarung des Laubs wird der Wind um die Blattoberfläche so weit gebremst, dass sich eine dünne, mit Wasserdampf gesättigte Luftschicht um die Pflanze herum halten kann, was die Verdunstung verhindert. Der Muskateller-Salbei (Salvia Sclares) oder der Wollziest (Stachys lanata) haben so ein samtiges Blattwerk.

Eine Lösung für die Zukunft unserer Stadtbäume könnte es sein, besonders trockenheits- und spätfrostresistente Baumarten zu pflanzen. Wie dies just in Augsburg geschah, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der bi-GaLaBau. bi